PPWR seit 12. August 2026 – was für Verkäufer gilt

PPWR: Was seit dem 12. August 2026 für Verkäufer gilt

Am 12. August 2026 haben die EU-Verpackungsverordnung (PPWR, Verordnung (EU) 2025/40) und das VerpackDG das bisherige Verpackungsgesetz abgelöst. Die gute Nachricht zuerst: Die Grundstruktur bleibt bestehen. Neu sind vor allem zwei Punkte – und einer davon betrifft jedes Unternehmen ohne Niederlassung in Deutschland, das direkt an deutsche Endabnehmer verkauft.

Und noch etwas fällt auf dieses Datum: Seit dem 12. August 2026 prüft Amazon die Verpackungsregistrierung nicht mehr nur für Deutschland und Frankreich, sondern für jedes EU-Land, in dem Sie verkaufen oder lagern. Dazu weiter unten mehr.

Was unverändert gilt

Die drei Grundpflichten des deutschen Verpackungsrechts bleiben:

  • Registrierung im Verpackungsregister LUCID bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR)
  • Systembeteiligung für systembeteiligungspflichtige Verpackungen
  • Datenmeldung der in Verkehr gebrachten Mengen

Achtung: Die Kriterien, welche Verpackungen systembeteiligungspflichtig sind, haben sich mit der PPWR geändert. Eine Einstufung, die unter dem alten Verpackungsgesetz korrekt war, muss nicht automatisch weiter stimmen – prüfen Sie Ihr Verpackungsportfolio erneut.

Neu: Erzeuger und Hersteller sind zwei verschiedene Rollen

Die PPWR trennt zwei Verantwortlichkeiten, die vorher oft in einer Hand lagen. Die Begriffe sind dabei kontraintuitiv – wer sie verwechselt, ordnet sich die falschen Pflichten zu:

  • Erzeuger ist, wer für Gestaltung und Beschaffenheit der vollständigen Verpackung verantwortlich ist. Er muss die Konformität der Verpackung sicherstellen: technische Dokumentation und Konformitätserklärung.
  • Hersteller ist, wer die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) in dem Mitgliedstaat trägt, in dem die Verpackung zu Abfall wird. Er finanziert die Entsorgung der Verpackungsabfälle.

Wer die Herstellerrolle trägt, entscheidet sich an der Lieferkette. Je nach Konstellation kann das der Erzeuger, der Importeur oder der Vertreiber sein. Für Online-Händler, die aus dem Ausland direkt an deutsche Endkunden verkaufen, ist die Antwort in der Regel eindeutig: Sie sind Hersteller im Sinne des EPR – und je nach Verpackungsgestaltung zusätzlich Erzeuger.

Neu: Bevollmächtigtenpflicht für ausländische Hersteller

Das ist die wichtigste praktische Änderung. Unternehmen mit Sitz im Ausland und ohne Niederlassung in Deutschland, die leere Verpackungen oder verpackte Produkte direkt an Endabnehmer in Deutschland vertreiben, sind seit dem 12. August 2026 verpflichtet, einen Bevollmächtigten zu bestellen.

Eine Ausnahme ist entscheidend: Die Registrierung im LUCID bleibt persönliche Pflicht des Herstellers. Diese eine Pflicht kann der Bevollmächtigte nicht übernehmen – anders als beim ElektroG, wo der Bevollmächtigte in sämtliche Pflichten eintritt. Wer das verwechselt, steht am Ende ohne gültige Registrierung da.

Alles Übrige übernimmt der Bevollmächtigte: Systembeteiligungsverträge, Mengen- und Datenmeldungen, Vollständigkeitserklärungen, Rücknahmepflichten und die Beteiligung am Pfandsystem.

Anforderungen an den Bevollmächtigten

  • Sitz oder Niederlassung in Deutschland
  • schriftlicher Vertrag in deutscher Sprache – die deutsche Fassung ist rechtlich bindend
  • handschriftlich oder qualifiziert elektronisch unterzeichnet
  • eigener LUCID-Zugang als Bevollmächtigter
  • muss eine externe Dienstleistung sein; eigene Mitarbeitende des Herstellers genügen nicht
  • pro Unternehmen ist nur ein Bevollmächtigter zulässig

Die ZSVR veröffentlicht keine Liste zugelassener Bevollmächtigter. Die Prüfung des Dienstleisters liegt bei Ihnen.

Produktanforderungen: Was Erzeuger jetzt nachweisen müssen

  • Konformitätsbewertung der Verpackung gegen die Nachhaltigkeitsanforderungen der Artikel 5 bis 12 PPWR
  • Konformitätserklärung je Verpackungstyp und technische Dokumentation, die für Behördenanfragen bereitzuhalten sind
  • Stoffbeschränkungen, unter anderem Grenzwerte für PFAS in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt (Artikel 5 Absatz 5)

Nicht nur Deutschland: Der 12. August wirkt EU-weit

Dass Amazon ausgerechnet dieses Datum gewählt hat, ist kein Zufall. Seit dem 12. August 2026 prüft der Marktplatz die Verpackungs-EPR in jedem EU-Land, in dem Sie verkaufen oder lagern. Für Batterien gilt die länderspezifische Registrierungspflicht bereits seit dem 18. August 2025.

Drei Punkte werden dabei regelmäßig unterschätzt:

  • Jedes Land führt ein eigenes Register. Ihre LUCID-Registrierung wirkt in Frankreich oder Italien nicht. Dort brauchen Sie eine eigene Nummer – in Frankreich etwa den Identifiant Unique (IDU) der ADEME.
  • Jeder Abfallstrom zählt einzeln. Wer ein Elektrogerät in einem Karton verschickt, bringt zwei Abfallströme in Verkehr und braucht pro Land zwei Registrierungen, nicht eine.
  • Lagern zählt wie Verkaufen. Liegt Ihre Ware in einem Marktplatzlager im Ausland, greift dort die Registrierungspflicht – auch ohne einen einzigen Verkauf in diesem Land.

Der eigentliche Engpass ist nicht die Pflicht, sondern der Vorlauf. Die Bearbeitungszeiten reichen von zwei Wochen in den Niederlanden bis zu vier Monaten in Österreich. Wer erst startet, nachdem das Angebot gesperrt wurde, verliert die gesamte Bearbeitungszeit als Umsatzausfall.

Registrierungen nach Land

Für diese Länder können Sie die Registrierung direkt bei uns buchen – mit offenen Preisen, angegebener Bearbeitungszeit und der Angabe, welche Beträge nicht enthalten sind:

  • Frankreich – seit dem 10. Juli 2026 ist ein Bevollmächtigter für alle Abfallströme Pflicht (Art. L. 541-10-9-1 code de l'environnement)
  • Italien – längere Bearbeitungszeiten, Kombipaket für Elektrogeräte und Batterien
  • Spanien – Haager Apostille inklusive; Photovoltaikmodule bilden eine eigene Kategorie
  • Niederlande – ohne Bevollmächtigten für Unternehmen mit Sitz in der EU (für Unternehmen außerhalb der EU noch in Klärung), Registrierung in 2–4 Wochen
  • Belgien – Meldefrequenz unterscheidet sich je Abfallstrom
  • Polen – Bevollmächtigter, BDO-Eintragung (AR-Registernummer) und PRO-Mitgliedschaft inklusive, nur für E-Commerce
  • Schweden – monatliche Meldung für Elektrogeräte und Batterien
  • Irland – Elektrogeräte und Batterien nach Jahresumsatz statt nach Menge; Verpackungen nach Unternehmenssitz, Umsatz und Menge
  • Österreich – längster Vorlauf: drei bis vier Monate
  • Deutschland – ElektroG, BattDG, VerpackDG und EWKFondsG

Eine Gesamtübersicht finden Sie unter Amazon EPR-Pflichtländer, alle Preise auf der Preisübersicht.

Was bis 2027 noch folgt

Für nicht systembeteiligungspflichtige Verpackungen wird künftig eine Zulassung durch die ZSVR erforderlich. Nach den Übergangsregelungen dürfen sonstige Organisationen für Herstellerverantwortung (sOfH) noch bis zum 31. Oktober 2027 und Hersteller noch bis zum 31. Dezember 2027 ohne diese Zulassung tätig sein.

Ihre nächsten Schritte

  1. Rolle klären: Sind Sie Hersteller, Erzeuger – oder beides?
  2. LUCID-Registrierung prüfen und aktualisieren (Marken, Verpackungsarten).
  3. Ohne Niederlassung in Deutschland: Bevollmächtigten bestellen – schriftlich, auf Deutsch.
  4. Systembeteiligung und Datenmeldung für das laufende Jahr abgleichen.
  5. Verpackungen, die Sie gestalten lassen: Konformitätserklärung und technische Dokumentation aufbauen.
  6. Ab einer bestimmten Menge: Vollständigkeitserklärung durch einen registrierten Prüfer einplanen.
  7. Andere EU-Märkte durchgehen: In welchen Ländern verkaufen oder lagern Sie? Für jedes davon brauchen Sie eine eigene Registrierung je Abfallstrom.

Wie wir unterstützen

ECOPV-EU GmbH übernimmt die Verpackungs-Compliance für den deutschen Markt – von der Einordnung Ihrer Rolle über die Systembeteiligung bis zur Vollständigkeitserklärung. Eine Übersicht finden Sie unter Verpackungen (VerpackDG / PPWR); alle Preise stehen transparent auf der Preisübersicht.

Betrifft Sie mehr als nur Verpackungen? Wir betreuen ebenso Elektrogeräte (ElektroG / WEEE), Batterien (BattDG) und Einwegkunststoffe (EWKFondsG) – auf Wunsch aus einer Hand. Unsicher, was auf Sie zutrifft? Sprechen Sie uns an oder buchen Sie einen Compliance-Check.

Warum ECOPV-EU GmbH

  • Seit 2020 am Markt – sechs Jahre EPR-Praxis, keine Nebenbeschäftigung.
  • Über 20.000 Verkäufer weltweit vertrauen uns ihre EPR-Compliance an.
  • EPR in über 20 europäischen Ländern – in mehr als zehn davon mit eigenen Konzerngesellschaften vor Ort statt über Zwischenhändler. Bei uns sitzt kein fremder Dritter in der Kette.
  • Zugelassener ElektroG-Bevollmächtigter – geführt in der Liste der zugelassenen ElektroG-Bevollmächtigten der stiftung ear.
  • Eigenes zugelassenes Herstellergarantiesystem – geführt in der Liste zugelassener Herstellergarantiesysteme der stiftung ear unter dem Systemnamen Authorized Representative Guarantee.
  • Eigene Organisation für Herstellerverantwortung (OfH) nach § 8 BattDG – Bevollmächtigung und Rücknahme aus einer Hand.
  • Dienstleister im Amazon Service Provider Network (SPN) und offizieller Servicepartner von Temu.

Quellen

Dieser Beitrag gibt den Stand vom 18. September 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.

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